Direkt zum Hauptbereich

Kirche im sozialen Netzwerk

Jetzt habt ihr mich soweit: Ich sitze hier und will einen Blogartikel schreiben und bin tatsächlich um Worte verlegen! Das liegt wohl daran, dass meine Emotionen gerade die Oberhand haben und sich nicht in Worte fassen lassen wollen.

Fangen wir mal damit an: Ich bin berührt.
Und zwar deshalb, weil einige von euch mir heute geschrieben haben, dass sie berührt sind. Von dem, was ich heute Morgen auf Snapchat und Instagram von mir gegeben habe.

Ich hatte ganz stolz von den kleinen Andachtsheftchen berichtet, die ab heute in unseren Kirchenbänken ausliegen, um Menschen eine kleine Hilfe für die persönliche Andacht zu sein. Manchmal suchen Leute die Kirche ganz absichtlich für innere Einkehr und Gebet auf oder sie werden zufällig reingeweht und wollen das vielleicht einfach mal ausprobieren. Ich habe also einen Snap von den Heftchen in den Kirchenbänken gemacht und dann zur besseren Illustration eine Kerze angezündet, mich hingesetzt und das Morgengebet aus dem Heftchen gesprochen. Dieses von mir gesprochene Gebet habe ich ebenfalls via Snapchat und Instagram Story geteilt. 




Und dann habe ich ein paar ganz wunderbare private Nachrichten dazu bekommen: Vom einfachen Danke! bis hin zu dem Geständnis, dass sogar Tränen geflossen sind. Tja, und deshalb bin ich jetzt ein bisschen um Worte verlegen, obwohl ich doch sonst wirklich nicht auf den Mund gefallen bin.

Eigentlich ist die Idee des Gebets in sozialen Netzwerken ja auch nichts Neues. Ich weiß doch selber, wie berührend das sein kann, weil ich gerne beim Abendgebet auf Twitter dabei bin (wenn ich nicht gerade vor dem Fernseher eingeschlafen bin oder in einer Kirchengemeinderatssitzung stecke). 

Und die Erfindung, moderne Medien für die Verbreitung guter Nachrichten bzw. DER Guten Nachricht zu nutzen, kommt ja auch nicht erst von tweetenden Christinnen und Christen. Martin Luther hat sich schon eines solchen modernen Mediums bedient, um das, was er zu sagen hatte, unter die Leute zu bringen: des Buchdrucks! Ich stehe sogesehen mit meinen Gebet-Snaps in guter lutherischer Tradition.

So, nun habe ich das, was mir gerade so durch den Kopf geistert, doch noch in Worte gefasst bekommen und hoffe, dass das irgendwie Sinn ergibt. Und wenn nicht, ist das nicht so wichtig. Wichtig ist, dass mich die heutige Erfahrung und mein Rumdenken an diesem Thema zu einem Vorhaben motiviert haben.

Ich habe mich nach vielem Hin-und Her-Überlegen dazu entschlossen, mit den Gebeten weiterzumachen. Ich kann nicht versprechen, dass es ganz zuverlässig jeden Tag ein Morgengebet gibt, denn manchmal schlafe ich auch einfach gerne aus oder vergesse einfach Sachen, aber ich werde schon versuchen, regelmäßig ein Gebet in die Snap-Parade einzubauen. Schaun wir mal, wo das hinführt.

Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Du arbeitest doch nur sonntags

Der Tweet einer Kollegin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie schrieb, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nach einem 10stündigen Arbeitstag schon Feierabend machte. Erst letzte Woche habe ich einen Zeitungsartikel über eine Pfarrerin mit Burnout gelesen. In den letzten Jahren häuften sich in meinem engeren wie weiteren pastoralen Umfeld die Fälle von Burnout. Ich finde, es wird Zeit, sich nicht nur Gedanken über dieses Problem zu machen, sondern auch darüber zu reden! Und vor allem etwas gegen dieses ungesunde Arbeitspensum zu tun! Denn es ist ja inzwischen medizinisch erwiesen, dass mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche krank machen.
Eigentlich wollte ich über dieses Thema gar nicht losschreiben, weil ich doch schon weiß, was wieder an Reaktionen kommt:  - Ach komm, stell dich nicht so an! - Manchmal muss man eben auch mal etwas mehr machen. - Ich arbeite auch so viel und beschwere mich nicht. - Du wirst schließlich dafür bezahlt! - Du arbeitest doch sowieso nur sonntags
Da …

Packender Unterricht geht wie?

Ich habe meine Konfis rausgeschmissen. Ich habe wirklich, wirklich, ehrlich meine Konfis rausgeschmissen! Das macht mich völlig fertig! Das kommt nämlich superselten vor! Eigentlich fast nie. Und dass es jetzt doch passiert ist, sollte euch sagen, dass Helgoland echt in Not ist!!!
Ich wollte eigentlich in das Thema "Bibel" einsteigen und bin gerade mal bis dahin kommen, dass die Bibel ein Buch ist, das im Grunde aus zwei Büchern besteht: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Und dann musste ich sie rauswerfen, weil nix mehr ging.
Ich gräme mich gerade furchtbar, weil ich die ganze Sache mit dem Bibelthema wohl anders hätte aufziehen sollen: Die Konfis "da abholen, wo sie gerade sind", wie es im theologisch - pädagogischen Fachjargon so schön heißt. 


Ich hätte ja die Tatsache, dass es sich bei der Bibel um ein Buch handelt, weglassen können, weil Bücher ja sowieso toootaaal langweilig sind. Stattdessen hätte ich meinen Konfis erzählen können, dass die Bibel sowa…

Neues aus der Helgoländer Gerüchteküche

Also ohne die Helgoländer Gerüchteküche wäre das Leben auf der Insel schon ziemlich fade! Ich habe lange nicht mehr so herzhaft gelacht wie nach dem Telefongespräch mit einer Schäfchen hütenden Person heute morgen. Die rief nämlich an, weil sie Interesse hatte, meine Nachfolge auf der inseleigenen Pfarrstelle anzutreten. Nicht dass ich meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin einfach selber bestimmen könnte. Da gibt's ja noch ein Kirchenrecht, das entweder Besetzung über den Bischof oder Stellenausschreibung vorschreibt. Aber das kirchliche Stellenbesetzungsprozedere interessiert sowieso nicht, WEIL ICH HIER JA GAR NICHT WEG WILL!
Auch wenn besagtem Amtsgeschwister neulich, bei einem Besuch unserer Insel, mitgeteilt wurde, ich würde demnächst die Insel und die dazugehörige Kirchengemeinde verlassen. Obwohl: Mein Urlaub steht an und es wäre nicht das erste Mal, dass die Leute hier glauben, ich würde nach einer dreiwöchigen Reise nicht wiederkommen. Als ich vor ein paar Jahren unser…